Wesenstest

Nachdem ich für den eigentlich gewünschten Termin eines Wesenstests aufgrund zu hoher Meldezahlen eine Absage erhielt, stand ich vor der unerwarteten Aufgabe, mir eine Alternative suchen zu müssen. Die fand ich auf Empfehlung in der BZG 4 Pfalz. Für einen Nordhessen liegt die Pfalz nicht eben um die Ecke und so plante ich die Anreise schon auf den Samstag. Das brachte mir zusätzlich noch die Entdeckung eines preiswerten, netten, liebevoll renovierten und wirklich ausgesprochen hundefreundlichen Hotels in sehr historischen Mauern.

Pünktlich am nächsten Morgen starteten wir dann ins nur noch 7 Kilometer entfernte Mehlingen. Bestens organisiert meldeten sich die Teams ab 8:30 Uhr bei der Sonderleitung an. Ein Zelt sorgte für Witterungsschutz – der an diesem Sonntag ein reiner, dringend benötigter Sonnenschutz werden sollte. Uns stand ein wunderschönes Gelände in oder an der Mehlinger Heide zur Verfügung, mit unterschiedlichen Bewuchshöhen, blühenden Ginsterbüschen und großen Freiflächen. Pünktlich um 9 Uhr wurden wir von der Richterin Brigitte Weber begrüsst und in absolut sympathischer Weise direkt und deutlich darauf hingewiesen, dass es den ganzen Tag ausschließlich um die Hunde zu gehen habe. Also jeder, der für den Augenblick nicht als Helfer benötigt werden würde, sich dem oder den Hunden widmen sollte, die inzwischen im Auto warten mussten und einer für den anderen mit auf den Stand der Sonne und die eventuelle Notwendigkeit des Umparkens achten sollte. Denn dass die Sonne den Hunden, Helfern und Hundeführern zu schaffen machen würde, war bei den um 9:00 herrschenden Temperaturen schon sehr absehbar. Und so war die erste Aufgabe nach der Begehung des Geländes und des aufgebauten Parcours erst einmal das Aufbringen von Sonnenschutz. Zügig ging es los und bis auf einen Curlie waren alle Retrieverrassen im Test vertreten. Insgesamt 9 tolle und ganz unterschiedliche Hunde absolvierten nacheinander den Parcours.

Yllåån und ich starteten als Team Nummer 4. Klar, kein Grund eigentlich, nervös zu werden, ein Wesenstest ist schließlich keine Prüfung aber so ganz ohne Adrenalin ging es dann trotzdem nicht.

Während ich die mir gestellten Fragen zur häuslichen Umgebung, eventuell schon abgelegten Prüfungen und im jungen Hundeleben gemachten beeindruckenden Erlebnissen beantwortete, entdeckte Yllåån schon mal sehr ausgiebig die Welt rund um den Pavillion – und das dort aufgebaute Kuchenbuffet, die Vesperbrote der Wartenden, bereits vergeudete Krümel usw. Mit Kuchenbuffets kennt er sich leider aus. Mit fremder Vesper auch. Mir stand schon der Schweiss auf der Stirn – ich sollte ja nicht mehr mit Kommandos auf den Hund einwirken. Aber er folgte mir sofort und freudig ins Gelände, als alle Fragen beantwortet waren. Mit weiten Schlägen suchte er das Gelände ab, kam zwischendurch immer wieder freudig zurück, wenn ich mich von ihm entfernte und fand unser „Abenteuer“ offensichtlich großartig. Auch die Menschengruppe, durch die wir uns bewegen sollten war ganz nach seinem Geschmack. Der plötzlich aufgespannte Schirm musste sofort interessiert untersucht werden. Bei der folgenden Aufgabe „Spielen mit dem Hundeführer ohne Gegenstand“ kam uns unser Training in der DRK Rettungshundestaffel zu Gute. Auf mein „Beutespiel ohne Beute“ stieg Yllåån sofort begeistert ein und setzte das Spiel ebenso enthusiastisch mit einem männlichen Helfer fort. Dann kamen Gegenstände ins Spiel. Ball und Dummyball wurden motiviert und ausdauernd im hohen Bewuchs gesucht, gefunden und mit großer Freude jeweils demjenigen zugetragen, der sie zuvor geworfen hatte. Direkt aus dem Spiel heraus folgte dann die Seitenlage und das Entfernen des Hundeführers, während die Richterin mit dem Hund alleine blieb. Danach die Gasse und der sich beim Hindurchlaufen schließende Kreis einer Personengruppe, so dass sich Hund und Hundeführer zunächst gemeinsam, nachdem der Hundeführer den Kreis verlässt, der Hund alleine in einer einengenden Situation befindet. Alles mit Bravour gemeistert und dann die Schussfestigkeit… Yllåån kennt Schuss aus dem Training bzw. aus der JP/R und „Schuss“ bedeutet „Ente“. Es fällt der erste Schuss und Yllåån steht wie angewurzelt, es kommt kein Kommando, er dreht sich zu mir um und sein Blick sagt mir ganz klar „looooooos, nun schick mich schon“. Ich darf nichts sagen, also entscheidet er zugunsten der Ente und brettert los. Der zweite Schuss: er beschleunigt. Beim dritten Schuss ist er schon am Schützen und fordert seine Beute ein. Wir speisen ihn mit einem Kong ab, den ihm sein strubbeliges Frauchen fast noch vor den Kopf wirft.

Weiter geht es in den Parcours mit akustischen und optischen Reizen. Ratsche und Latexschwein mit Quietsche sind super, findet Yllåån (klar, sowas gibt’s zuhause nicht). Der Tunnel, der aus dem Gebüsch geflogen kommt, ist ein Babytunnel aber die Werferin ist klasse, findet er. Die Kuhglocke beeindruckt ihn kurz – normalerweise ist die am Hals von so komischen Tieren mit Hörnern befestigt und steht am Berg – aber beschnuppern muss schon sein. Unter einem Seil mit Flatterband und Blechdeckeln geht es über eine ausgelegte Folie und kurz danach fliegt noch einmal eine Tasche voller Blechdosen aus dem Gebüsch. Alles sehr interessant, findet Yllåån. Die letzte Station ist ein großer Plüschbär, der mittels rückwärts geführter Schnur sozusagen unsichtbar in Bewegung versetzt wird. Ups. Moment. Dann: „kann man das apportieren?“

Die ganze Zeit hindurch werden wir wie alle Teams wunderbar durch den Parcours begleitet, freundlich unterstützt, aufgemuntert oder motiviert. Und alle Teams konnten am Ende auch ihre bestandenen Wesenstests in Empfang nehmen. Zum Abschluß bauten alle gemeinsam ab und räumten auf. Und als Fazit für uns – neben einer wirklich wunderbaren Bewertung meines kleinen Wikingers: die Pfalz ist aus vielen Gründen absolut eine Reise Wert! Jetzt bin ich sehr gespannt auf den Schwedischen Wesenstest, den wir im August mit allen Wurfgeschwistern sozusagen als Vorprogramm der „Tollerspecialen 2014“ absolvieren werden.

Yllåån besteht die JP/R

Nach dem erfolgreichen Feststellen der Schussfestigkeit kam als erste Aufgabe die Haarwildschleppe. Im Ausarbeiten der Schleppe war Yllåån gut und schnell unterwegs, hat sich einmal kurz ablenken lassen (auf der Wiese, auf der die Schleppe für ihn gezogen wurde hatten, als wir ankamen noch Rehe gestanden. und zu den eigentlich vorgeschriebenen 80m zwischen den Schleppen sag ich mal lieber nix ) . Am Kaninchen angekommen, hat er seine Denkpause eingelegt und ich habe beobachten können, dass er vom Kaninchen zum Schleppenzieher, der da an einem Baum stand, immer hin und her geschaut hat – nach dem Motto geht es um den Typen oder um den Hasen? Wir haben unseren Schwerpunkt in der Rettungshundeausbildung und haben vorher nicht oft Schleppen geübt. Das Thema Mensch vs. Kaninchen ist an der Stelle noch nicht gefestigt. Also habe ich mich daran gemacht von meiner Position aus motivierend auf ihn einzuwirken, damit er sich für das Kaninchen entscheidet. Und habe von der Richterin einen Anpfiff kassiert, der sich echt gewaschen hatte. Ich dürfe nicht helfen. Yllåån hatte sich inzwischen von selbst für das Kaninchen entschieden und war auf dem Rückweg. Ich wusste nicht mehr, was darf ich und was darf ich nicht und hab nix mehr gemacht. Meine Prüfungsangst war danach für den Rest des Tages dann auch nicht mehr unter Kontrolle zu bringen. Woraufhin er erstmal anhielt und mich aus sicherer Distanz beobachtete (wie ist die denn plötzlich drauf?), kam dann aber.

Während die nächsten Hunde nacheinander ihre jeweiligen Schleppen erfolgreich absolvierten, machten die Wartenden Witze über die anstehende zweite Aufgabe, die Markierung und den dafür von der Richterin avisierten Ort. Die ganze Karawane zog weiter und stoppte an einem Rapsfeld. Nur, sie hatte gar keinen Witz gemacht und die Gesichter aller verloren spontan sämtliche Spannung. Der Raps stand am Freitag schon gut 60cm hoch, vereinzelt blühten auch schon erste Pflanzen. Raps stinkt erbärmlich, es gibt weit und breit nichts, woran der Blick sich orientieren könnte, das Feld sieht auf seiner ganzen Länge und Breite gleich aus. Und ein Toller ist ja bekanntlich kleiner als ein Chessie, Labbi oder Golden… Yllåån sass neben mir im Raps und sah praktisch nichts. Ein Blässhuhn wird beschossen, ich schicke Yllåån, der etwa 2m von der Fallstelle entfernt ankommt, nichts findet und anfängt zu suchen. Kommt aber mit der Nase nicht über den Raps und arbeitet sich also springend durchs Feld, bekommt keine Witterung und arbeitet sich erfolglos ab. Ich bin dann hingegangen, hab mit ihm zusammen das Huhn gesucht, eingesteckt und die Prüfung für uns als Verlust verbucht. Was war ich wütend. Auf mich, auf das dämliche Rapsfeld, die Richterin auf überhaupt alles. Im ersten Moment wäre ich am liebsten direkt heimgefahren. Bei der Markierung durchzufallen wäre mir vorher niemals in den Kopf gekommen.

Überraschend kam am Ende als alle Hunde durch waren, einer der Richter noch einmal zu mir, sie würden Yllåån gerne nochmal sehen. Wir also wieder rein ins Feld. Er sitzt am Bein, eine fette Ente wird beschossen. Ich schicke – und er markiert auf den Punkt und bringt das Federvieh. Hinter uns spontan Applaus und Gejohle, wir waren wieder im Rennen. Und meine Nerven praktisch nicht mehr existent.

Dann kam die Freiverlorensuche. Da hat er es dann auch nochmal sehr spannend gemacht. Er war wirklich völlig platt, hatte ganz offenbar zwischendrin auch einfach mal keinen Bock mehr und hat mich eine ganze Weile auf das zweite Stück warten und hoffen lassen.

Letzte Aufgabe dann die Markierung am Wasser. Da hat er dann, genau wie für Arbeitsfreude, Stand- und Arbeitsruhe, Führigkeit ein verdientes „sehr gut“ bekommen. Steiler Einstieg, Ente wird beschossen, zack rein, schwimmen, greifen, zurückschwimmen, raus, fertig. Los, wirf sie nochmal rein, endlich macht´s Spass

Alle sieben Teams bestanden. Und ich werde mir noch ein paar Prüfungen in den Kalender schreiben müssen, damit ich wenn´s an die Rettungshundeprüfung geht, abgebrühter bin.

Babyalarm

So langsam rückt er näher, der Moment. Familienzuwachs in Sicht. Und während meine Kollegin ihren Arbeitsplatz räumt, die Kollegen zu Kuchen und anderem Süsskram einlädt, bevor sie für ein Jahr in der sogenannten Elternzeit verschwindet, fülle ich meinen Urlaubsschein aus. Überlege lange, wieviele der kostbaren Tage jetzt, wieviele später im Jahr wohl sinnvoll wären. Bringe angesammelte Überstunden vom Langzeitkonto ein, arbeite vor und Sicherungen ein, damit auch während meiner Abwesenheit nichts schief gehen kann. Noch ist da mehr Nervosität als Freude, nicht alles ist organisiert, vieles noch zu regeln. Vier Tage noch, dann weicht die Ruhe dem Sturm. Welt-Welpen-Einzugstag.