Reiseplanung, die 1.

Härjedalen: weniger als ein Mensch pro Quadratkilometer, dazu Braunbären mit mehr Lust auf Blaubeeren, als auf Hund oder Mensch und nicht zuletzt Wölfe, für deren Begegnung einschlägige Reiseführer einen Umgang wie mit Nachbars Pöbelrüden empfehlen. Das klingt nach Abenteuer. Mit handelbarem Risiko und dank guter Camping-Infrastruktur für uns auch noch komfortabel zu bereisen. Wie allerdings unsere roten Fliegenfischer auf blaubeerbäuchige Braunbären reagieren mögen, bleibt unvorhersehbar und hinterlässt ein gewisses Unwohlsein.
Unklar ist bislang auch noch, auf welchen Wegen wir von Göteborg nach Härjedalen gelangen wollen, welche Zwischenziele wir anfahren und welchen Aktivitäten wir nachgehen wollen. Mit dem eigenen Schlauchboot durch die Schären am Vänernsee, Fisch essen in Spiken, eine Radtour am Götakanal, wandern um Elchen zu begegnen, baden im Siljansee. Die Möglichkeiten sind scheinbar grenzenlos.
Wieviel Zeit für was einplanen, wann zuhause starten und Sälen am Ende oder doch in die Mitte der Reise – es wird noch eine Weile dauern, bis die Pläne konkreter werden. Bis dahin werden Ideen gesammelt, überdacht und ergänzt. Und nähren die Vorfreude.

Das Sardinientagebuch: Giovanni

Ein schneller Wechsel von blankem Entsetzen zu völliger Resignation auf Stefan´s Gesicht, als mir im Weggehen der Sardische Käser die Hand reicht und sich mit einem knappen „Giovanni“ vorstellt. Spätestens hier ist klar, dass alle zuvor ausgesprochenen Einkaufsempfehlungen rhetorisch theoretische Gedanken waren und das Geschäft noch vor in Augenscheinnahme der Ware bereits quasi rechtsverbindlich besiegelt wurde. So komme ich denn auch nach erfolgter Verkostung aller im Fahrzeug präsentierten Reifestadien eine knappe Viertelstunde später mit einem in Tonnen grauen Packpapiers gewickelten „fiore di Sardegna“ unter dem Arm zurück, strahlend vor Glück, dass soviel köstliche Crema nur wenig mehr gekostet hat, als beide Hunde zusammen im Monat verputzen. Er sei ganz anspruchslos, hatte Giovanni versprochen und fühle sich überhaupt „nell´ambiente“ am wohlsten. Ob er ihn dann vielleicht direkt aufs Dach zu den Surfbrettern packen soll, da wäre er der sengenden Sonne am nächsten ausgesetzt, ätzt Stefan, bevor er den neuen Mitreisenden – von Yllåån auf´s Herzlichste begrüsst – im Bodenstaufach verschwinden lässt. Auch aus diesem Auto wird der köstliche Duft reifenden sardischen Pecorinos also nie wieder völlig verschwinden. Und lactosefrei ist er auch noch.

Das Sardinientagebuch: Pizzeria Acapulco

Jeden Nachmittag pünktlich um 16 Uhr, also nach Ende der etwa vierstündigen Siesta – vergleichbar in etwa mit unserer 30minütigen Mittagspause – beginnt der Schornstein der Restaurant-Pizzeria „Acapulco“ dichten schwarzen Qualm weithin sicht- und riechbar in den Himmel zu entlassen, der jeder Pabstwahl alle Ehre machen würde. Aber zur Wahl steht kein neuer Pabst, sondern ein umfangreiches Angebot an Holzofenpizzen. Soweit, so gut – am Ende lassen wir die Pizzen dann den anderen Gästen und bestaunen beeindruckt, welche Gössen und Ausformungen da zu den Tischen geschleppt werden. Bei uns gibt´s Fisch. Sind ja schliesslich am Meer. Ob Dorade und Tintenfisch Arbeitsimmigranten sind oder tatsächlich an der sardischen Küste in die Netze gegangen sind, lässt sich nicht abschließend klären. Lecker sind sie aber alle Mal. Es dauert nur eine Weile, den sehr serviceorientierten Kellner davon zu überzeugen, dass mindestens einer von uns durchaus in der Lage ist, einen ganzen Fisch – Sensation. Ein GANZER Fisch – zu filetieren. Vielleicht will er uns auch nur vor üblen Verletzungen bewahren. Er zeigt sich am Ende jedenfalls ehrlich beeindruckt.